Spannungen, Leidenschaften
Die "Tschechische Nacht" bei den Nabering-Konzerten in der Freiburger Musikhochschule,
12. September 2011
Das Unheil wird bereits in den ersten Takten angekündigt. Ein sehnsüchtiger Aufschwung in den gedämpften, hohen Streichern, ein energischer Einwurf des Cellos – Janáceks erstes Streichquartett kommt gleich zur Sache. Es erzählt von Spannungen und Leidenschaften, von Manie und Depression. Tolstois Eifersuchtsnovelle "Kreutzersonate" hatte den tschechischen Komponisten zu seinem 1923 geschriebenen Streichquartett inspiriert. In der grandiosen Interpretation des Prager Skampa-Quartetts wird das Drama lebendig. \
Die jäh gestoppten folkloristischen Anklänge des zweiten Satzes, die gespenstischen, am Steg gespielten Tremoli von Violine 2 (Daniela Soucková) und Viola (Radim Sedmidubský), aber auch die manischen Motivwiederholungen im Finale (ebenfalls stark: die Geigerin Helena Jirikovská sowie der Cellist Lukás Polák) und die gleißenden Schlussklänge, die die vier großartigen Musiker in hoher Lage traumwandlerisch sicher intonieren – das ist packend erzählt, mit Stimmungen und Farben, mit Zwischentönen und Katastrophen. Die grandiose "Kreutzersonate" beendet die "Tschechische Nacht", mit der die Nabering-Konzerte in der Freiburger Musikhochschule begeistern.
Georg Rudiger, Badische Zeitung, 16. September 2011
Badische Zeitung