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       Škampa Quartett – Kritiken

Beethoven in magischer Intimität

Das Skampa Quartett im Herzog-August-Saal, Wiesbaden 21. Oktober 2008

WIESBADEN. Allein schon der Beginn war originell: Das Skampa Quartett begann sein Konzert im Herzog-Friedrich-August-Saal mit „Fratres“ von Arvo Pärt. Nicht mit der spartanischen, von Pärt selbst eingerichteten Fassung für Streichquartett, sondern in einer eigenen Bearbeitung nach Pärts Fassung für Streichorchester und Schlagzeug (ein gewissenhafter gestaltetes Programmheft hätte auf diesen Umstand hingewiesen). Der gebetsartige Gesang blinzelte durch den Wirrwarr hochvirtuosen Akkordwerks, zunächst der Solo-Violine.

Aufs Sensibelste ausgehört

Woodblocks markierten Anfang und Ende der Strophen. Aufs Sensibelste ausgehört war der Bordun-Klangteppich des Cellisten, während jedem Instrument die kadenzartige Gestaltung einer Strophe zukam. Am zauberhaftesten die letzte Strophe, als die Melodie noch einmal in höchsten Flageolett-Tönen über dem Geschehen schwebte. So eingestimmt, hörte man in den folgenden Quartetten, dem op. 59/2 und dem späten op. 135, einen eher fragilen Beethoven. Schon die Wiederholung der Exposition im ersten Satz des e-Moll Quartetts erschien, dem äußerst zügigen Allegretto zum Trotze, fragend, tastend. Magische Intimität gewann der zweite Satz durch seine immer wieder erlangte Nähe zum Kaum-noch-Hörbaren. Umso feuriger und rauschhafter der dritte und vierte Satz, nachdem es Bravorufe gab. Violinen und Viola des Skampa Quartetts schaffen im Stehen ihr geschmeidig-virtuoses Spannungsfeld. Die Intensität des Ausdrucks steht oft im Gegensatz zur kühlen Miene der Primaria Helena Jirikovska.

Mit sattem Timbre

Daniela Souckova ist eine idealtypische Partnerin, die je nach Situation ihren Klang mit dem der Primaria verschmelzen oder aber ihrem nachgespieltem Motiv ganz eigene Färbungen verleihen kann, um der gesamten Textur ein wirkungsvolles Mehr an Binnenspannung zu verleihen. Aus der „amerikanischen“ Aufstellung am rechten Rande des Quartetts kann sich Radim Sedmidubsky mit dem satten Timbre seiner Bratsche direkt ans Publikum wenden, wenn er ihm etwas zu „sagen“ hat. Das Spiel im Stehen ist hier besonders hilfreich. Nur der Cellist muss natürlich sitzen. Damit er trotzdem in der Nähe seiner Mitspieler bleibt, hat das Quartett ihn auf ein Podest gehoben. Lukas Polak ist ein sympatisch unkonventionelles „Markenzeichen“, bisweilen am Rande der Klangbereitschaft seines Instruments agierend. Nach dem Kapralova Quartett im April hatte der Verein „Die Kammermusik“ das Erleben eines weiteren Spitzenensemble ermöglicht.

Doris Kösterke, Wiesbadener Kurier, 23. Oktober 2008



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