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       Škampa Quartett – Kritiken

Škampa – Quartett in der Slovakischen Philharmonie

Bratislava, 10. März 2009

Heute ist es nicht mehr ungewöhnlich, dass bei einem Streichquartett neben Herren auch Damen musizieren. Davon konnten sich auch die Besucher des Kleinen Saals der Slowakischen Philharmonie überzeugen, wo am 10. März 2009 das bekannte Škampa-Quartett spielte – diesmal in wesentlich anderer Besetzung. Im Programm wurde nicht erwähnt, dass das heutige Ensemble, bestehend aus Helena Jiřikovská - 1. Violine, Daniela Součková - 2. Violine, Radim Sedmidubský - Viola und Lukáš Polák - Violoncello – erst seit einem dreiviertel Jahr zusammen arbeitet. Dennoch ist das Ergebnis hinsichtlich der Interpretation umwerfend! Beide neue Geigerinnen verfügen über eine verblüffende Technik, ihre Bogenführung ist glänzend, die Intonation tadellos. Die Sekundistin „lebte“ in jedem Ton der Primaria und arbeitete auch glänzend mit dem neben ihr sitzenden Cellisten und dem Bratscher zusammen. Einmalig war auch die Aufstellung des Ensembles, nur der Cellist saß, beide Geigerinnen und der Bratscher standen. Das trug bestimmt zu einem besseren und gelockerteren Spielgefühl bei, was die Musiker bei einem Gespräch nach dem Konzert auch selbst bestätigten. . .

Das Konzert begann souverän mit Haydns Streichquartett G-Dur op.77 Nr. 1 Hob. III:81, in dem die perfekt einsetzenden Geigerinnen mit den anspruchsvollen Passagen geradezu jonglierten. Besonders elegant war das rhythmisch prägnante Menuett. Nach dem hervorragenden Beitrag zu Haydns 200. Todestag folgte das Streichquartett Nr. 7 Concerto da Camera H. 314 von Bohuslav Martinů, dessen 50. Todestags die Musikwelt gedenkt. Ungemein genoss ich, wie mühelos und souverän beide Geigerinnen die Klippen der Partitur überwanden. Als Kenner der Musik dieses genialen Komponisten weiß ich wohl die charakteristischen rhythmischen Tücken, Tonleiterpassagen und synkopischen Teile zu schätzen. Höhepunkt des Konzerts war Schuberts gigantisches Streichquartett G-Dur,D 887. Publiziert wurde es erst nach dem Tod des Autors im Jahr 1851, und auch wegen seiner zeitlich anspruchsvollen Länge (es dauert annähernd 40 Minuten) erlangte es keine solche Popularität wie z. B. Das Quartett d-Moll „Der Tod und das Mädchen“. Die Škampas stürzten sich „ohne Furcht und Tadel“ kopfüber auf das anspruchsvolle Werk, und das Ergebnis war allseitig hervorragend. Ihre tadellose Verständigung und apollinisch reine Intonation – das waren die Hauptkriterien, durch die sie sich die uneingeschränkte Gunst des leider nicht zahlreichen Publikums erwarben.

In Umschreibung eines Zitats aus Verdis Nabucco (der in den 60er Jahren des 20. Jh. slowakisch gesungen wurde) nahm an diesem außergewöhnlichen Konzert „nur eine Handvoll Getreuer“ teil. Viele Erfolge errang das Quartett in seiner früheren Zusammensetzung. Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass auch die neue, „zartere“ Besetzung schon an diese Tradition anknüpfte. Beweis dafür ist die englische Tournee einschließlich eines Konzerts in der weltberühmten Wigmore Hall, die als „Carnegie“ der Kammermusik gelten kann. Als Zugabe erklang eine Komposition des ehemaligen Primarius Pavel Fischer, in der die tschechischen Musiker ebenfalls beeindruckten. Aus seinem Streichquartett spielten sie den letzten Satz mit dem Titel Morava - eine witzige, originelle Komposition, die aus einer Plejade von nahezu jazzartigen, von der mährischen Volksmusik inspirierten Rhythmen besteht. Eine fabelhafte Zugabe, doch zugleich eine guter Beweis dafür, wie interessant eine „Gegenwarts“-Komposition wirken kann.

Abschließend sei noch erwähnt, dass die Primaria jahrelang Konzertmeisterin des Talich-Kammer-Orchesters in Prag war und die Sekundistin in der von dem weltbekannten Dirigenten Jiří Bělohlávek gegründeten Prager Kammerphilharmonie spielte. Folglich haben sich die beiden Künstlerinnen ihre „Sporen“ in hervorragenden Prager Klangkörpern verdient. Es war ein glänzendes Debut der neuen Besetzung dieses Quartetts, ich freue mich schon auf eine weitere Begegnung und hoffe, dann schon im „gerammelt“ vollen Saal der Slowakischen Philharmonie.

Juraj Alexander - Zeitschrift Musikalisches Leben (Hudobný život), April 2009



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